Der Digitale Produktpass für Unternehmen naht – nur 19 Prozent vorbereitet

Mit dem Start des zentralen EU-Registers für den Digitalen Produktpass (DPP) am 19. Juli 2026 stehen viele Unternehmen noch immer am Anfang ihrer Vorbereitung – obwohl allein die Erfassung von Lieferantendaten bis zu 18 Monate dauern kann.

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QRNow

Aktualisiert

9. Juni 2026

7 Lesezeit
Der Digitale Produktpass für Unternehmen

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Das zentrale EU-Register für den Digitalen Produktpass startet am 19. Juli 2026.
  • Nur 19 Prozent der befragten Unternehmen in Europa fühlen sich gut auf den DPP vorbereitet.
  • 53 Prozent der Unternehmen befinden sich noch in frühen Vorbereitungsphasen.
  • Lieferanten- und Lieferkettendaten gelten für 31 Prozent der Unternehmen als größte Herausforderung.
  • Die Erfassung verifizierter Lieferantendaten kann 12 bis 18 Monate dauern – frühe Vorbereitung wird damit entscheidend.
  • Statische Produktseiten oder PDFs reichen oft nicht mehr aus.
  • Dynamische QR-Codes, NFC-Tags oder GS1 Digital Links werden zu zentralen Zugangspunkten für den DPP.

Was ist der Digitale Produktpass?

Der Digitale Produktpass (DPP) ist eine von der EU eingeführte digitale Produktakte im Rahmen der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (Ecodesign for Sustainable Products Regulation, kurz ESPR).

Er soll Informationen zu Materialien, Umweltauswirkungen, Reparaturfähigkeit und Recycling eines Produkts für Verbraucher, Geschäftspartner und Behörden digital und transparent zugänglich machen.

28 Prozent der Unternehmen sind nicht vorbereitet – warum jetzt schnelles Handeln gefragt ist

Mit dem Start des zentralen EU-Registers am 19. Juli 2026 beginnt die praktische DPP-Umsetzung. Für viele Unternehmen bleiben damit nur noch wenige Wochen, um Produktdaten, Lieferketteninformationen und digitale Datenträger DPP-fähig vorzubereiten.

Gleichzeitig machen aktuelle Studien wie die KPMG-Umfrage von Februar 2026 einen großen Nachhol- und Handlungsbedarf deutlich:

  • Nur 19 Prozent der europäischen Unternehmen betrachten sich als gut vorbereitet.
  • Mehr als die Hälfte befindet sich noch in frühen Vorbereitungsphasen.
  • 31 Prozent der Betriebe sehen die Erfassung von Lieferanten- und Lieferkettendaten als größte Herausforderung.
  • Für 25 Prozent sind technische Anforderungen eine zentrale Hürde.

Auch ein Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Jahr 2023 deutet auf erhebliche Defizite hin. Zwei Drittel der deutschen Betriebe kannten die Anforderungen des DPP nicht oder hielten sie für irrelevant.

Wir haben mit Thorsten Kroke, Geschäftsführer von ECLASS e.V. und Prokurist bei IW Consult GmbH, gesprochen. Er rät Unternehmen, nicht auf vollständig ausgearbeitete Detailvorgaben zu warten. Erste DPP-Strukturen könnten bereits heute mit bestehenden Standards aufgebaut werden.

Der DPP ist damit längst kein Zukunftsthema mehr, sondern eine konkrete operative Herausforderung, auf die Unternehmen jetzt reagieren müssen.

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Experten warnen: Nicht auf finale Vorgaben warten

Die von uns befragten Experten sehen die größten Hürden derzeit weniger in der Technologie selbst als in organisatorischen Strukturen und internen Abläufen.

Für Felix Strohmeier, Senior Researcher bei Salzburg Research, liegt genau darin ein zentrales Missverständnis: Viele Unternehmen würden den DPP oft primär als bürokratische Belastung statt Impuls für neue Geschäfts- und Datenprozesse ansehen.

„Ein standardisierter Informationsaustausch über Produkte ermöglicht eine effizientere Kommunikation ohne Informationsverlust entlang von Lieferketten einer Kreislaufwirtschaft, aber auch innerhalb der Unternehmen“, betont Strohmeier.

Kroke verweist dagegen auf praktische Probleme beim Datenaustausch mit Zulieferern und Partnern. Zahlreiche Betriebe zögerten hier noch immer aus Sorge vor technischen oder rechtlichen Risiken.

Er empfiehlt deshalb, zunächst Basisinformationen mithilfe standardisierter Systeme für strukturierte und einheitliche Produktdaten in Industrie und Lieferketten zu aufzubereiten.

„Meine Empfehlung ist zuerst die technische Hürde mit einer eindeutigen Semantik wie ECLASS oder IEC CDD zu überwinden und technisch mit weniger kritischen Informationen wie Herstellername, Baujahr, Seriennummer zu starten.“

Obwohl viele dieser Informationen keinen Personenbezug haben, bremsten rechtliche Unsicherheiten den Austausch in vielen Betrieben weiterhin aus, beobachtet Kroke.

Diese zwei EU-Fristen müssen Unternehmen jetzt ernst nehmen

2026 beginnt für viele Unternehmen die operative Umsetzung des DPP. Die verschärften Anforderungen der EU an Transparenz und nachvollziehbare Produktinformationen sind mit zwei wichtigen Fristen verbunden:

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  • Am 19. Juli 2026 fällt der Startschuss für das EU-Register. Ab diesem Zeitpunkt müssen digitale Produktinformationen über einen physischen Datenträger (z. B. einen QR-Code, NFC-Tag oder GS1 Digital Link) zugänglich gemacht werden.


  • Ab dem 27. September 2026 müssen pauschale Nachhaltigkeitsaussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „nachhaltig“ mit überprüfbaren Daten belegbar sein. Grundlage dafür ist Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel („Empowering Consumers Directive”).

Beide Fristen stehen in direktem Zusammenhang: Der DPP wird zur Grundlage dafür, Nachhaltigkeitsversprechen mit konkreten Produktdaten zu belegen.

Ist Ihr Produkt betroffen?

Der DPP wird schrittweise nach Produktkategorien eingeführt. Die EU konzentriert sich zunächst daten- und ressourcenintensive Gruppen, z. B. Batterien, Textilien, Elektronik, Möbel und Stahlprodukte.

Welche Produktgruppen die Europäischen Kommission zuerst priorisiert, zeigt der aktuelle ESPR-Arbeitsplan.

Kroke plädiert daher für einen frühen Einstieg statt für weiteres Abwarten. „Unternehmen von Batterien, Textilien und Elektronik sollten umgehend mit den ersten Digitalen Produktpässen in minimaler Ausprägung starten“.

Erste DPP-Strukturen könnten bereits heute mit etablierten Industriestandards und Anwendungen aufgebaut werden, beispielsweise:

  • Metainformationen
  • digitale Typenschilder
  • CO₂-Fußabdrücke (Product Carbon Footprints)

„Diese Erfahrungen helfen beim Roll-out“, so die Einschätzung des Experten.

Welche Informationen muss Ihr DPP enthalten?

Welche Informationen Produkte enthalten müssen, legt die EU nach Produktgruppen über sogenannte delegierte Rechtsakte fest — also produktspezifische Detailregelungen zur ESPR-Verordnung.

Viele der zentralen Datenanforderungen für Industrie- und Konsumgüter sind aber bereits jetzt erkennbar:

  • Materialzusammensetzung und Recyclinganteile
  • Herstellungsland und zentrale Produktschritte
  • Identifikation relevanter Zulieferer entlang der Lieferkette
  • Informationen zu Reparatur, Wartung und Ersatzteilen
  • erwartete Produktdauer
  • Demontage- und Entsorgungshinweise
  • Informationen zu problematischen Stoffen (gemäß REACH, dem zentralen EU-Regelwerk für Chemikalien und gefährliche Stoffe)
  • eindeutige Produktidentifikation über den Datenträger

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31 Prozent der Unternehmen betrachten laut KMPG-Umfrage die Datenerfassung als größte Hürde. Kroke sieht das Problem allerdings weniger in fehlenden Daten als in deren Strukturierung.

„Die Daten für die Circular Economy liegen in den Unternehmen bereits vor: analog, dezentral oder in verteilten Datenbanken.“ Genau diese Daten gelte es zu identifizieren und schrittweise in DPP-Strukturen zu überführen.

Der eigentliche Aufwand entsteht deshalb bei der Strukturierung und Vereinheitlichung der Daten. Betriebe, die frühzeitig mit den ersten einfachen DPPs beginnen, verschaffen sich damit wertvolle Vorlaufzeit in der DPP-Implementierung.

Diese Fehler könnten Unternehmen Monate kosten

In vielen Betrieben verzögern falsche Annahmen über den DPP die praktische Umsetzung. Häufig geht es dabei um diese Punkte:

Auf finale Detailvorgaben warten

Die technischen Anforderungen für jede Produktkategorie liegen zwar noch nicht vollständig vor. Doch die grundlegende DPP-Infrastruktur (z. B. eindeutige Identifikatoren, Datenträger oder interne Datenstrukturen) kann bereits heute aufgebaut werden.

DPP als reine IT-Sache behandeln

Der Digitale Produktpass erfordert eine gemeinsame Datenbasis über Einkauf, Produktentwicklung, Compliance, Logistik und Marketing hinweg. Andernfalls riskieren Unternehmen unvollständige oder inkonsistente Datensätze, die Prüfungen nicht bestehen.

DPP nur auf Endprodukte beziehen

Auch Hersteller und Lieferanten, deren Materialien oder Komponenten in EU-relevante Endprodukte einfließen, könnten künftig überprüfbare Produktdaten bereitstellen müssen.

Den Zeitaufwand für Lieferantendaten unterschätzen

Die Erfassung verifizierter Material- und Herkunftsdaten über mehrstufige Lieferketten hinweg dauert in der Praxis häufig 12 bis 18 Monate. Dies ist der größte Zeitfaktor in der DPP-Vorbereitung – und er wird oft erst zuletzt priorisiert.

Der QR-Code als Zugang zum DPP

Viele Unternehmen verbinden den Digitalen Produktpass aktuell mit einem QR-Code auf dem Produkt. Doch der eigentliche DPP entsteht nicht im Code selbst, sondern in der dahinterliegenden Datenstruktur.

Für die praktische DPP-Vorbereitung bedeutet das:

  • Dynamische QR-Codes oder GS1 Digital Links werden zu einer wichtigen technischen Grundlage für den DPP.
  • Statische PDFs dürften in vielen Fällen nicht ausreichen.

Letzteres bestätigt auch Strohmeier, der darin einen entscheidenden Unterschied zu klassischen Produktinformationen sieht. Diese müssten über Jahre hinweg aktualisierbar bleiben, beispielsweise im Rahmen von Wartungen. „Statische PDFs sind dafür nicht geeignet“, warnt der Experte.

Der eigentliche Digitale Produktpass entsteht also nicht auf dem Etikett, sondern in der Datenstruktur dahinter. Wenn Unternehmen das verstehen, kann der DPP maßgeblich zu einer neuen Form von Produktkommunikation beitragen.

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Was ein DPP nicht ist

Ein echter DPP funktioniert also weniger als eine Produktwebseite und stärker wie eine digitale Akte mit strukturierten und aktualisierbaren Informationen. Genau daraus ergeben sich in der Praxis mehrere wichtige Anforderungen:

  • Ein QR-Code, der nur auf eine Produkt- oder Kampagnenwebsite verweist, ist kein DPP.
  • Ein statischer QR-Code, dessen Ziel nicht aktualisiert werden kann, erschwert spätere Anpassungen und Datenpflege erheblich.
  • Je nach Produktkategorie können eindeutige Produktidentifikatoren auf Modell-, Serien- oder Chargenebene erforderlich sein.

Für viele Unternehmen ist deshalb der Aufbau einer konsistenten Infrastruktur für Identifikatoren und Datenträger der erste sinnvolle Schritt, bevor sie komplexere Datenanforderungen umsetzen.

GS1-kompatible, dynamische QR-Codes gelten als zentraler Baustein für den DPP. QRNow unterstützt Unternehmen dabei, entsprechende QR-Code-Infrastrukturen ohne zusätzlichen technischen Aufwand aufzubauen, flexibel anzupassen und aktuell zu halten.

Der Digitale Produktpass bietet Unternehmen die Chance, verlässliche und aktualisierbare Produktinformationen bereitzustellen sowie Lieferketten effizienter zu gestalten. Mit der richtigen QR-Code-Struktur und einer rechtzeitigen Vorbereitung wird die Umsetzung deutlich einfacher.

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